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#1 22.02.2021 10:35:11

Eizoar5e
Gast

LTS-Kernel

Nach welchen Kriterien wird eigentlich entschieden, welcher Kernel zum LTS-Kernel wird?

Eigentlich sollte der LTS-Kernel ja eine gewisse Reife und Stabilität aufweisen und sich dadurch vom aktuellen Kernel unterscheiden. Jetzt haben wir die Situation, dass der LTS-Kernel mit der Version 5.10.17 sogar noch neuer als der "aktuelle" Kernel mit Version 5.10.16 ist.

Der vorherige LTS-Kernel trug die Version 5.4.97, lt. kernel.org ist der letzte longterm-Kernel 5.4.99; der Kernel 5.10 ist demnach überhaupt kein LTS-Kernel. Warum wird dann bei Arch der Kernel 5.10 zum LTS-Kernel erhoben?

Wegen eines Bugs im pwc-Kernelmodul läuft meine Webcam mit dem aktuellen Kernel nicht mehr, mit dem bisherigen LTS-Kernel aber schon. Nach dem jetzt der Kernel 5.10 der aktuelle LTS-Kernel ist, läuft die Kamera damit auch nicht mehr. Das kann ja eigentlich nicht der Sinn eines LTS-Kernels sein.

#2 22.02.2021 12:09:28

frostschutz
Mitglied

Re: LTS-Kernel

5.10 ist als longterm angekündigt worden ( siehe z.B. https://www.kernel.org/category/releases.html ) somit kein Alleingang von ArchLinux.

Online

#3 22.02.2021 13:44:06

Gerry_Ghetto
Mitglied

Re: LTS-Kernel

Eizoar5e schrieb:

Nach welchen Kriterien wird eigentlich entschieden, welcher Kernel zum LTS-Kernel wird?

Ich gehe davon aus, dass Arch Linux einfach den neuesten LTS-Kernel von kernel.org für linux-lts paketiert. Da Arch Linux eine Rolling Release Distribution ist, macht das auch durchaus Sinn.

Eizoar5e schrieb:

Eigentlich sollte der LTS-Kernel ja eine gewisse Reife und Stabilität aufweisen und sich dadurch vom aktuellen Kernel unterscheiden. Jetzt haben wir die Situation, dass der LTS-Kernel mit der Version 5.10.17 sogar noch neuer als der "aktuelle" Kernel mit Version 5.10.16 ist.

Nein, LTS steht für "Long Term Support" und bezeichnet den Zeitraum, in welcher die Software offiziell gewartet wird. LTS hat nicht direkt mit Reife oder Stabilität zu tun. Kernel 5.11 konnte ja länger reifen als Kernel 5.10.
Es ist allerdings einfacher, Software gegen einen LTS-Kernel zu kompilieren, da sich die Programmierschnittstellen praktisch nicht ändern.

Eizoar5e schrieb:

Der vorherige LTS-Kernel trug die Version 5.4.97, lt. kernel.org ist der letzte longterm-Kernel 5.4.99; der Kernel 5.10 ist demnach überhaupt kein LTS-Kernel. Warum wird dann bei Arch der Kernel 5.10 zum LTS-Kernel erhoben?

Siehe die Antwort von frostschutz.

Eizoar5e schrieb:

Wegen eines Bugs im pwc-Kernelmodul läuft meine Webcam mit dem aktuellen Kernel nicht mehr, mit dem bisherigen LTS-Kernel aber schon. Nach dem jetzt der Kernel 5.10 der aktuelle LTS-Kernel ist, läuft die Kamera damit auch nicht mehr. Das kann ja eigentlich nicht der Sinn eines LTS-Kernels sein.

Naja, wenn sich die Version des LTS-Kernels ändert, kann das durchaus vorkommen, dass gewisse Software nicht mehr funktioniert. Und wenn du darauf angewiesen bist, dass sich die Kernelversion über Jahre hinweg nicht ändert, dann solltest du eher sowas wie CentOS oder Debian wählen.

Offline

#4 22.02.2021 14:07:25

frostschutz
Mitglied

Re: LTS-Kernel

Man kann sich drüber streiten ob man den Sprung bei linux-lts machen muss bevor linux stable auf 5.11.x ist... aber so ist es halt und in ein zwei drei Wochen ist auch alles wieder beim alten.

Bugs gibt es immer. Auch im 5.4 Kernel gibts Sachen die nicht funktionieren. Allen kann man es nie recht machen.

Kernel ist das Paket bei dem man sämtliche Freiheiten hat, du kannst auf die Updates generell verzichten (solange keine Änderung dich persönlich betrifft), du kannst es aus dem AUR bauen oder gleich komplett von Hand selber managen mit eigener .config in der nur das drinsteht was für dich relevant ist. Das hab ich früher bei Gentoo so gemacht, und erst wieder unter ArchLinux in den Ärger mit nicht ladbaren Modulen gehabt. ;-)

Wie immer, hat alles Vor- und Nachteile...

Online

#5 22.02.2021 17:30:18

Eizoar5e
Gast

Re: LTS-Kernel

Gerry_Ghetto schrieb:

Ich gehe davon aus, dass Arch Linux einfach den neuesten LTS-Kernel von kernel.org für linux-lts paketiert. Da Arch Linux eine Rolling Release Distribution ist, macht das auch durchaus Sinn.

Der ist nur derzeit noch nicht der LTS-Kernel, das ist immer noch der 5.4.99, auch wenn der 5.10 es mal von der Planung her werden sollte. Ich habe es auch in der Vergangenheit noch nicht erlebt, dass der LTS-Kernel hier aktueller als der stable-Kernel ist. Welchen Sinn soll ein LTS-Kernel noch haben, der sich auf dem gleichen Releasestand wie der stable-Zweig befindet?
Interessanterweise endet der Support für den 5.10-Kernel schon Dec, 2022, während der 5.4-Kernel noch bis Dec, 2025 gewartet wird, in sofern verstehe ich auch nicht, warum man nicht bei 5.4 geblieben ist.

Nein, LTS steht für "Long Term Support" und bezeichnet den Zeitraum, in welcher die Software offiziell gewartet wird. LTS hat nicht direkt mit Reife oder Stabilität zu tun. Kernel 5.11 konnte ja länger reifen als Kernel 5.10.

Das kommt auf die Komponente an; wie das Beispiel des pwc-Moduls zeigt, muss eine höhere Version nicht unbedingt auch besser gereift sein. Ich darf bei der Gelegenheit auch mal an die kürzlich aufgetretenen Problem mit dem nVidia-Treiber unter Kernel 5.9 erinnern, der wochenlang nicht lief, weil man bei nVidia noch nicht soweit war. Da war der ältere LTS-Kernel überhaupt die einzige Möglichkeit, das System noch nutzen zu können. So etwas kann immer mal wieder vorkommen, in sofern wäre es schon vernünftig, wenn der LTS-Kernel der aktuellen Entwicklung etwas hinterher läuft.

Naja, wenn sich die Version des LTS-Kernels ändert, kann das durchaus vorkommen, dass gewisse Software nicht mehr funktioniert. Und wenn du darauf angewiesen bist, dass sich die Kernelversion über Jahre hinweg nicht ändert, dann solltest du eher sowas wie CentOS oder Debian wählen.

Das Problem ist nicht die Kernelversion, sondern dass das Modul ab dem Kernel 5.10 nicht mehr funktioniert (soviel dann auch zum Thema "reift mit dem Kernel"). Dazu gibt es einen Bugreport und seit Januar-2021 auch schon einen Patch, aber bis der mal in die offiziellen Quellen aufgenommen wird, kann noch ewig dauern. Da die pwc-Kameras auch nicht mehr besonders populär sind, hat man damit offensichtlich auch keine Eile. Mit dem LTS-Kernel 5.4 lief es noch, aber das hat nichts mit der Kernelversion zu tun, sondern mit der fortlaufenden Entwicklung des aktuellen Kernels.

#6 22.02.2021 20:27:33

frostschutz
Mitglied

Re: LTS-Kernel

Eizoar5e schrieb:

Interessanterweise endet der Support für den 5.10-Kernel schon Dec, 2022

Kann man jetzt noch nicht sagen. Also das kann verlängert werden bei entsprechendem Bedarf. Gibt schon ne lange Diskussion auf der LKML dazu...

Wird für ArchLinux aber wahrscheinlich auch einfach keine Rolle spielen. Nächster LTS Kernel bis dahin...

Kernel werden irgendwann einfach (zu) alt. Ubuntu (20.04 LTS) ist auch vom 5.4 Kernel weg und auf den 5.8 Zweig gesprungen. (Auf Desktop mit HWE standardmäßig aktiv)

Hat eben jede Distribution ihr eigenes Konzept zu.

Online

#7 23.02.2021 14:20:37

Gerry_Ghetto
Mitglied

Re: LTS-Kernel

Eizoar5e schrieb:
Gerry_Ghetto schrieb:

Ich gehe davon aus, dass Arch Linux einfach den neuesten LTS-Kernel von kernel.org für linux-lts paketiert. Da Arch Linux eine Rolling Release Distribution ist, macht das auch durchaus Sinn.

Der ist nur derzeit noch nicht der LTS-Kernel, das ist immer noch der 5.4.99, auch wenn der 5.10 es mal von der Planung her werden sollte.

Das ist deine Sicht. Ich behaupte nicht, dass sie falsch ist, aber sie ist anders, als diejenige der Kernelentwickler. Jedenfalls wird 5.10 auf https://www.kernel.org/category/releases.html bereits als LTS-Kernel gelistet.

Eizoar5e schrieb:

Ich habe es auch in der Vergangenheit noch nicht erlebt, dass der LTS-Kernel hier aktueller als der stable-Kernel ist.

Das kann sein. Da `linux` und `linux-lts` zwei unterschiedliche Pakete sind, können sie auch unterschiedliche Maintainer haben, die unterschiedlich schnell paketieren. Man beachte den Konjunktiv. Ich habe nicht nachgeschaut, ob dies auch tatsächlich so ist.

Wenn du beim Maintainer oder den Maintainern nachfragst, sollte sich das Mysterium lösen lassen. Ich denke, es gibt dafür einen logisch nachvollziehbaren Grund.

Eizoar5e schrieb:

Welchen Sinn soll ein LTS-Kernel noch haben, der sich auf dem gleichen Releasestand wie der stable-Zweig befindet?

Der Zweck eines LTS-Kernel ist der gleiche wie derjenige eines "normalen" Kernels. Die Version ist dabei unerheblich. LTS bezieht sich nur auf den Supportzeitraum.

Eizoar5e schrieb:

Interessanterweise endet der Support für den 5.10-Kernel schon Dec, 2022, während der 5.4-Kernel noch bis Dec, 2025 gewartet wird, in sofern verstehe ich auch nicht, warum man nicht bei 5.4 geblieben ist.

Macht ja nichts, dass der Support "schon" im Dezember 2022 endet. LTS bedeutet nur, dass der Kernel länger gewartet wird. Mehr nicht.

Grundsätzlich kann jede Distribution ja selber entscheiden, welchen LTS-Kernel sie nutzen wollen. Im Prinzip kann eine Distribution auch einen "normalen" Kernel zu LTS machen, hat dann aber auch sehr viel mehr Arbeit. Ubuntu macht(e) das teilweise auch so.

Eizoar5e schrieb:
Gerry_Ghetto schrieb:

Nein, LTS steht für "Long Term Support" und bezeichnet den Zeitraum, in welcher die Software offiziell gewartet wird. LTS hat nicht direkt mit Reife oder Stabilität zu tun. Kernel 5.11 konnte ja länger reifen als Kernel 5.10.

Das kommt auf die Komponente an; wie das Beispiel des pwc-Moduls zeigt, muss eine höhere Version nicht unbedingt auch besser gereift sein. Ich darf bei der Gelegenheit auch mal an die kürzlich aufgetretenen Problem mit dem nVidia-Treiber unter Kernel 5.9 erinnern, der wochenlang nicht lief, weil man bei nVidia noch nicht soweit war. Da war der ältere LTS-Kernel überhaupt die einzige Möglichkeit, das System noch nutzen zu können. So etwas kann immer mal wieder vorkommen, in sofern wäre es schon vernünftig, wenn der LTS-Kernel der aktuellen Entwicklung etwas hinterher läuft.

Das stimmt, nicht jede Reifung führt immer zu einem besseren Ergebnis. Und ich habe auch nicht gesagt, dass reifer gleichbedeutend mit besser ist.

Bezüglich nVidia kann ich dir mangels praktischer Erfahrung nichts sagen. Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass das Paketieren von closed-source für Arch Linux eher ein undankbarer Job ist.

Eizoar5e schrieb:
Gerry_Ghetto schrieb:

Naja, wenn sich die Version des LTS-Kernels ändert, kann das durchaus vorkommen, dass gewisse Software nicht mehr funktioniert. Und wenn du darauf angewiesen bist, dass sich die Kernelversion über Jahre hinweg nicht ändert, dann solltest du eher sowas wie CentOS oder Debian wählen.

Das Problem ist nicht die Kernelversion, sondern dass das Modul ab dem Kernel 5.10 nicht mehr funktioniert (soviel dann auch zum Thema "reift mit dem Kernel"). Dazu gibt es einen Bugreport und seit Januar-2021 auch schon einen Patch, aber bis der mal in die offiziellen Quellen aufgenommen wird, kann noch ewig dauern. Da die pwc-Kameras auch nicht mehr besonders populär sind, hat man damit offensichtlich auch keine Eile. Mit dem LTS-Kernel 5.4 lief es noch, aber das hat nichts mit der Kernelversion zu tun, sondern mit der fortlaufenden Entwicklung des aktuellen Kernels.

Gut, dann weisst du ja, woran es liegt und kannst dementsprechend reagieren.

Beispielsweise könntest du deinen eigenen Kernel mitsamt dem Patch bauen => https://wiki.archlinux.org/index.php/Ke … ild_System
Du könntest dann "linux-custom" booten und bekämst dennoch alle Kernelaktualisierungen von linux-lts, ohne dass dein Kernel überschrieben werden würde. Und von Zeit zu Zeit kannst du testen, ob der Arch Kernel gefixt wurde.

Offline

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