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#1 15.11.2020 19:14:47

gaucho
Mitglied

btrfs oder ext4?

Hallo zusammen,

ich bin momentan dabei einen neuen Desktop-PC einzurichten. Arch habe ich seit über 10 Jahren auf meinem Laptop (Core2Duo) laufen, habe mir damit auch ein Live-System auf USB-Stick eingerichtet und bin damit insgesamt sehr zufrieden. Daher soll auch auf dem Desktop ein Arch Linux installiert werden. Zu diesem Zweck werde ich vermutlich das System vom USB-Stick per rsync rübersynchronisieren und dann vollends einrichten, um mir eine komplette Neuinstallation des Systems zu ersparen.

Seit ich Arch nutze, habe ich als Dateisystem eigentlich immer ext3/ext4 verwendet. Für den Desktop stelle ich mir jetzt aber die Frage, ob ich das beibehalten soll oder ob ich btrfs ausprobiere. Letzteres soll ja moderner sein und funktional mehr bieten als ext4. Allerdings bin ich etwas skeptisch, ob es mir im Vergleich zu ext4 tatsächlich irgendwelche Vorteile bringt.

Die Rahmenbedingungen für mein System sind folgende:
- 209 GB freier Speicherplatz auf SSD (kein RAID)
- GPT und UEFI
- Windows 10-Installation => 1 EFI-Boot-Partition, 1 System-Partition, 1 hidden diag Partitions

Normalerweise würde ich hier jetzt ein ext4-Partition für "/" sowie ein swap anlegen und dann mein Live-System reinklonen. Für Backups würde ich wie bisher das gesamte "/" per rsync wegsichern. Da ich eine Datenplatte habe, wo ich Bilder, Videos, etc. für Arch und Windows ablegen will, dürfte der Speicherverbrauch von "/home" vergleichsweise gering ausfallen. Zudem habe ich bei bisherigen Installationen auf eine separate "/home"-Partition verzichtet, weil es hier grundsätzlich immer schwer ist, die richtige Größe für die einzelnen Partitionen zu treffen. Daher erscheint mir die Lösung mit einer Partition für "/" bisher als flexibelste Lösung, wo ich dann auch nicht nachpartitionieren muss.

Die Alternative zu diesem Ansatz wäre nun eine Installation mit btrfs. Allerdings bin ich hier unschlüssig, was ich alles beachten muss, da ich bisher keinerlei Erfahrung mit btrfs gemacht habe. Auf den Wiki-Seiten lese ich von x Subvolumes und frage mich, warum man diese braucht oder haben sollte. Allgemein sind die Wikiseiten zu Btrfs im Vergleich zu Ext4 recht umfangreich und die Einrichtung offenbar deutlich komplexer. Entsprechend schrecke ich hier vor dem Einrichtungsaufwand und ggf. auch dem Wartungsaufwand etwas zurück. Auf der anderen Seite steht die Neugier und die Frage, ob ich mir durch btrfs das Leben hier vielleicht einfacher/angenehmer machen kann.

Ich hoffe ich habe mein Anwendungsszenario ausreichend gut beschrieben. Daher sind meine Fragen:
1. Was habe ich effektiv davon, wenn ich btrfs statt ext4 nutze?
2. Kann ich eine btrfs-Partition wie eine ext4-Partition anlegen oder brauche ich hier irgendwelche Zusatzschritte? (Subvolumes, ...)
3. Wenn ich btrfs statt ext4 nutze, macht das oben genannte Szenario (eine Partition für das Linux-System) überhaupt Sinn oder sollte ich hier anders partitionieren?

Folgende mögliche Vorteile würde ich mir von btrfs versprechen/erhoffen:
a. Einfache Möglichkeit mein System auf einen bestimmten Stand/Snapshot zurückzurollen
a1. Idealerweise könnte ich das System nach einem Problem nach Update (pacman -Syu) einfach auf den Stand vor dem Update zurücksetzen.
b. Eventuell bessere Ausnutzung des Speicherplatzes durch Komprimierung
c. Eventuell bessere Performance (CoW, ...)

Was dazu notwendig ist, um das alles zu bekommen bzw. wie einfach die Handhabung ist, ist mir nicht ganz klar. Zudem weiß ich nicht, wie stabil/robust btrfs tatsächlich ist. Entsprechend gibt es neben Argumenten für btrfs vermutlich auch ausreichend Argumente dafür ext4 beizubehalten. Da es sich bei btrfs aber um ein für mich unbekanntes Dateisystem handelt, würde ich mich freuen, wenn die btrfs-Erfahrenen hier im Forum ein wenig Licht ins dunkel brächten, warum man btrfs statt ext4 verwenden sollte (oder auch nicht) und wie der Einrichtungs- und Pflegeaufwand bei btrfs aussieht.

Viele Grüße,
Gaucho

PS: Benutzer Eberhard61 hat zwar bereits ein Thema zu btrfs aufgemacht , aber ich hier wird mehr über RAID diskutiert. Da RAID für mich kein Thema ist und ich auch eher die Beweggründe für btrfs kennen möchte, hielt ich es für sinnvoller, hierzu ein neues Thema aufzumachen.

Offline

#2 15.11.2020 22:39:16

Norby07
Mitglied

Re: btrfs oder ext4?

Also ich verwende EXT4 und timeshift.

Damit kann ich immer auf ein vorherige Version zurück. Ohne das ein Partielles Update gebraucht wird.

Offline

#3 16.11.2020 11:04:55

schard
Moderator

Re: btrfs oder ext4?

Btrfs ist in der Tat ein innovatives Dateisystem, insbesondere für spezielle Anwendungen auf Rechnerclustern.
Die Gründe, warum ich bis heute im Produktivbetrieb allerdings die Finger davon lasse sind:
1) Erhöhter Wartungsaufwand durch Balancing [1,2].
2) Unzureichende Stabilität von fsck [3].

Auf einer klassischen Workstation würde ich zudem Vorteile von btrfs gegenüber ext4 verneinen.
Es kann im Einzelfall einfacher sein, RAID Systeme und Backups mithilfe der btrfs Tools aufzusetzen.
Dies ist aber vollkommen subjektiv und auch unter Verwendung anderer Dateisysteme mithilfe anderer Tools möglich.

Was Komprimierung angeht, so verwende ich keine Komprimierung auf Dateisystemebene.
Der Grund hierfür ist, dass Speicherplatz mittlerweile für den Heimgebrauch relativ billig ist, die Strompreise aber kontinuierlich steigen.
Man darf halt nicht vergessen, dass man mit Komprimierung Speicherplatz gegen Rechenzeit (=Stromkosten) tauscht. Ich halte da nichts von.

Zu den Performanzunterschiedenen gibt es reichlich Treffer bei einer Google Suche, z.B. [4].
Weitere Details zu den beiden Dateisystemen stehen im (englischen) Wiki.

[1] https://btrfs.wiki.kernel.org/index.php … fs-balance
[2] http://marc.merlins.org/perso/btrfs/pos … blems.html
[3] https://btrfs.wiki.kernel.org/index.php/Btrfsck
[4] https://delightlylinux.wordpress.com/20 … s-or-ext4/

Offline

#4 17.11.2020 02:26:46

Dirk
Moderator

Re: btrfs oder ext4?

schard schrieb:

Es kann im Einzelfall einfacher sein, RAID Systeme und Backups mithilfe der btrfs Tools aufzusetzen.

Ich würde sogar so weit gehen, und sagen, dass bei einem sinnvollen Setup das Betriebssystem nichts vom RAID weiß, da das alles der RAID-Controller erledigt der dem System eine einzelne Platte anbietet, und nicht als mehrere Platten die man selbst im Betriebssystem konfigurieren und warten muss.

Offline

#5 18.11.2020 09:56:00

303acid
Mitglied

Re: btrfs oder ext4?

Dirk schrieb:

Ich würde sogar so weit gehen, und sagen, dass bei einem sinnvollen Setup das Betriebssystem nichts vom RAID weiß, da das alles der RAID-Controller erledigt der dem System eine einzelne Platte anbietet, und nicht als mehrere Platten die man selbst im Betriebssystem konfigurieren und warten muss.

Naja...prinzipiell nicht ganz unrichtig ABER mir ist es viel lieber wenn der LinuxKernel der RAID-Kontroller ist, weil wenn der Hardwarekontroller mal kaputt geht gibt es keine Garantie das der neue Kontroller das alte RAID auch kennen will. Da bin ich mir beim Kernel aber sowas von sicher das das nach Generationen von Versionen funktioniert. Ausserdem spart es Hardwarekosten und alle damit unnötigen Verbrauch von Energie, Resourcen u.s.w. Das Quentchen mehr an Strom den die CPU dafür braucht dürfte auch viel weniger als bei einer Hardwarelösung sein

Offline

#6 18.11.2020 10:08:15

brikler
Mitglied

Offline

#7 18.11.2020 20:35:49

gaucho
Mitglied

Re: btrfs oder ext4?

Danke für das Feedback!

Ich ziehe daraus, das Fazit, dass ich auf meinem Desktop-Rechner durch btrfs keine signifikanten Vorteile habe bzw. die potentiellen Nachteile bzgl. Wartungsaufwand und Stabilität die eventuellen Vorteile überwiegen. Insofern werde ich bei ext4 bleiben.

Dass ich ein ext4 zu btrfs Dateisystem konvertieren kann, habe ich im Wiki auch gesehen. Der Satz "Ohne Backup und Zeit das System evtl. komplett neu aufsetzen zu müssen ist hiervon aber dringend abzuraten" lässt mich davor aber etwas zurückschrecken. :-)

Offline

#8 19.11.2020 18:22:36

ochuag
Gast

Re: btrfs oder ext4?

Ein Grund für BTRFS war doch noch das Mittel gegen Bit Rot.

Mittels den eingebauten Prüfsummen kannst du beschädigte Dateien erkennen. Ich habe mich allerdings noch nicht so tief mit BTRFS beschäftigt und weiß nicht, ob BTRFS Fehler automatisch meldet (übers Log?) oder ob man Scans manuell durchführen muss. Ich weiß auch nicht ob BTRFS die beschädigten Dateien selbst reparieren kann. Ich bezweifle es. Es ist wohl eher ein Hilfsmittel zur Erkennung.

Das mit den Prüfsummen ist natürlich nett. Dann brauch man selbst keine Checksummen pflegen. Vor allem bei archivierten Dateien.

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