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#1 06.01.2020 14:52:10

schard
Moderator

Zeitzeugen der Bürokratie

Mittagspause! Ich habe gerade den ersten Kassenbon in meinem Leben bei (m)einem Bäcker erhalten.
Danke dafür, liebe Bundesregierung. Wie konnte ich bisher ohne diese nur auskommen.
Was ich mich frage: Woher weiß der Fiskus, dass auf meinem Bon korrekt abgerechnet wurde.
Kommen demnächst die Steuerfahnder zu mir nach hause und verlangen die Herausgabe aller Kassenbons meines Bäckers?
Ich meine, wenn sie nur die Protokolle der Registrierkasse prüfen, dann kann man sich den Ausdruck auch wirklich sparen.

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#2 06.01.2020 15:11:11

tapsiturtle
Mitglied

Re: Zeitzeugen der Bürokratie

Habe ich letzte Woche ebenfalls. Geht sogar noch schlimmer. Kauf mal eine einzelne 5Cent Briefmarke. Der Bon ist größer und wahrscheinlich teurer als die Briefmarke aber es muss einer gedruckt werden...

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#3 06.01.2020 16:40:01

Photor
Mitglied

Re: Zeitzeugen der Bürokratie

Moin,

will jetzt gar nicht darüber streiten, wie gut das umgesetzt wird/wurde (Umwelt-, Energie-, Müllproblem; und dass Cum-Ex gaaanz andere Dimensionen hat ist auch klar).

Die Intension ist, dass Du als Kunde kontrollieren kannst (sollst), dass Dein Umsatz auch eingebucht wurde (und Du kannst ja auch die Anzeige der Kasse mit dem Bon vergleichen). Ab da sind die Kassensysteme in der Pflicht (und das können die wohl auch). Es geht halt drum, dass kontrolliert wird, dass auch ALLE Umsätze gebont werden (gerade beim Bäcker erlebe ich immer wieder, dass die Kasse offen ist (und bleibt) wenn neben mir gleichzeitig ein anderer Kunde kassiert wird - keine Unterstellung jetzt; nur als Laie beobachtet).

Ich kann mich daran erinnern, dass vor ca. 30 Jahren im Portugal- (oder war es Spanien-)reiseführer schon stand, dass man als Kunde einen Kassenbon bekommt (bekommen muss) und die "Guardia Financia" (oder so) den auch einfordern konnte (im Umkreis von 500(?)m um den Laden (solange MUSSTE man den behalten, dannach durfte man ihn dann wegwerfen). Also sooooo neu ist das alles nicht (über den Fortschritt der 30 Jahre kann man aber auch in's grübeln kommen; aber noch 'ne Kamera mit KI, die den Umsatz überwacht, will ich auch nicht; und Bargeld abschaffen will ich auch nicht, und ...).

Just some thoughts.

Ciao,
Photor

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#4 06.01.2020 17:14:10

Malforias
Gast

Re: Zeitzeugen der Bürokratie

ich werde diese Kassenbons aus diesem Thermopapier (was leider sogar sondermüll ist) sammeln und dann schön beim Finanzamt in den Briefkasten schmeisen. Sollen sie den Müll entsorgen den sie so dringend haben wollen.

#5 06.01.2020 18:33:37

stefanhusmann
Moderator

Re: Zeitzeugen der Bürokratie

Wie sagte schon Famulus Wagner: Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.

Nur scheint den hohen Herren wohl die Ironie entgangen zu sein, die Goethe in diese Worte vor über 200 Jahren hinein gelegt hat.

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#6 06.01.2020 21:35:23

Dirk
Moderator

Re: Zeitzeugen der Bürokratie

schard schrieb:

Was ich mich frage: Woher weiß der Fiskus, dass auf meinem Bon korrekt abgerechnet wurde.

Das wissen die gar nicht. Die Mär vom „zweiten Faktor“ ist hier glatt gelogen, da der zweite Faktor entweder direkt im Laden entsorgt wird, spätestens aber zu Hause im Müll landet, wenn man das nächste mal sein Portemonnaie ausmistet.

Vielmehr ist es wohl so gedacht, dass die tausenden von Kilometer Bonpapier verschwendet werden sollen für den Fall, dass ein Testkäufer vom Finanzamt vorbeikommt, und dann später eine Steuerprüfung durchgeführt wird, oder das Unternehmen gleich vorsorglich angekackt wird, weil der Testkäufer zu seinem Vortagsweizenbrötchen aus der Kollektion „Gutes von Gestern“ für 8 Cent keinen Bon aufgenötigt bekommen hat.

Photor schrieb:

Die Intension ist, dass Du als Kunde kontrollieren kannst (sollst), dass Dein Umsatz auch eingebucht wurde

Aber warum sollte mich als Kunde das interessieren? Wenn ich mir am Bahnhof ein maßlos überteuertes, halb aufgeschnittenes und zu einem Viertel belegtes Brötchen für 3,75 Euro kaufe, gebe ich dem Angestellten 4 Euro, bekomme 25 Cent und besagtes Brötchen wieder, und habe da dann für den angegebenen Preis das bekommen, was ich erwartet habe, damit ist das Geschäft für mich erledigt.

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#7 06.01.2020 21:46:35

Photor
Mitglied

Re: Zeitzeugen der Bürokratie

Malforias schrieb:

ich werde diese Kassenbons aus diesem Thermopapier (was leider sogar sondermüll ist) sammeln und dann schön beim Finanzamt in den Briefkasten schmeisen. Sollen sie den Müll entsorgen den sie so dringend haben wollen.

... und wie dokumentenecht ist dieses Thermopapier eigentlich? Hatte schonmal ein Problem, meinen Pfandbon eingelöst zu bekommen weil der nach ca. 1 Woche nicht mehr zu lesen war. Ich denke, damit kann das Finanzamt auch nichts mehr anfangen (ich weiß, dass das nicht deine Intension ist wink )

Ciao
Photor

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#8 06.01.2020 22:52:44

Purzel am Montag
Gast

Re: Zeitzeugen der Bürokratie

Wenn ich ein Brot kaufe und keinen Bon bekomme, habe ich dann ein Schwarzbrot?

#9 07.01.2020 01:55:49

Kerberos
Mitglied

Re: Zeitzeugen der Bürokratie

Ich schließe mich der Meinung von @Malforias an. Den Scheiß einfach sammeln, und bei Gelegenheit dem Finanzamt in den Briefkasten werfen oder diese Monatlich per Paket an Olaf Scholz vom Finazministerium schicken (Ohne Absender und Porto natürlich)

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#10 07.01.2020 10:14:00

Dirk
Moderator

Re: Zeitzeugen der Bürokratie

niemand schrieb:

... weil einer der Marktführer in der Herstellung solcher Sachen zu großen Anteilen Leuten gehört, auf deren Drängen die Sache in die Diskussion gebracht, und letztlich beschlossen worden ist.

Ist doch immer so, dass die Wirtschaftslobbyisten den Regierung die Gesetze schon fertig nach ihrem Gusto vorgeschrieben zukommen lassen, und der gut geschmierte Bundestag das dann einfach fast 1:1 durchwinkt.

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#11 07.01.2020 13:04:38

brikler
Mitglied

Re: Zeitzeugen der Bürokratie

wenn man einen bon hat, dann gings über die registrierkasse, über die registrierkasse ging, dann kommts kaum noch an der buchführung vorbei und darum gehts: eine ordentliche buchführung.
man denke sich nur, die milliarden semmeln wo keine märchensteuer bezahlt wurde, daß heißt, von dir schon aber nicht vom becker,…

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#12 08.01.2020 00:00:01

Touhtouh Willi
Gast

Re: Zeitzeugen der Bürokratie

Bah, blöde Pille-Palle-Politik .. Wenn ich meine Bons vom Supermarkt mit nach HAuse nehme und da auf den Spieß stecke bis der voll ist, ist das AUsdruck meiner ganz persönlichen Zwangsneurose und geht Keinen was an. Aber so .. die Herrschaften wünschen wohl, die Dienerschaft möge die beschleunigte, flächendeckende Einführung des papiergeldlosen Zahlungsverkehrs fordern! Weshalb? Weil's halt "bequemer" ist, versteht sich; blöde Pille-Palle-Politik, halt.

#13 08.01.2020 02:15:12

JireeN8n
Gast

Re: Zeitzeugen der Bürokratie

niemand schrieb:

Abgesehen davon: ich weiß nicht, was ihr für Bäcker habt. Ich habe in den letzten Jahren nicht ein Brötchen gekauft, das nicht in die Registrierkasse eingegeben worden wäre – nicht mal beim fahrenden Bäcker. Das ging ganz prima auch ohne Bonpflicht. Und wenn man nun hochrechnet: lass es pro Jahr 500.000 Brötchen sein, die schwarz verkauft wurden, pro Brötchen sind’s roundabout 1¢ Steuern. Sind 5k€ für’s gesamte Bundesgebiet.

Leider bewegen sich die Steuerhinterziehungen in ganz anderen Dimensionen; angeblich soll es sich um bis zu 10 Milliarden € handeln. Und das sind dann Größenordnungen, die man auf Dauer nicht mehr ignorieren kann. Und die Steuerbetrügereien wurden auch nicht nur von ein paar "schwarzen Schafen", sondern offensichtlich in der Vergangenheit in großem Stil und branchenübergreifend praktiziert, und nicht nur durch den exemplarisch immer wieder gerne vorgezeigten Bäcker.

Ganz untergegangen ist auch die Tatsache, dass mit selbem Datum die Verwendung von Bisphenol-A im Thermopapier praktisch verboten und durch alternative Stoffe ersetzt wurde, die wieder über das Altpapier recycelt werden dürfen. In sofern kann das ganze Gesabbel selbsternannter Umweltexperten als Argumentationshilfe auch nicht länger herhalten.

Edit: Zahlen angepasst, auf Brötchen sind ja „nur“ 7% Wenigerwertsteuern – man kann sie ja meist essen.

In einem Geschäftsbetrieb fallen neben der Mehrwertsteuer auch noch andere, umsatzabhängige Steuern an, deswegen beschränkt sich der Betrug nicht auf die 7%.

#14 08.01.2020 02:22:04

JireeN8n
Gast

Re: Zeitzeugen der Bürokratie

brikler schrieb:

man denke sich nur, die milliarden semmeln wo keine märchensteuer bezahlt wurde, daß heißt, von dir schon aber nicht vom becker,…

Da wäre er aber schön blöd, da er die gezahlte Vorsteuer von der eingenommenen Umsatzsteuer saldieren kann.

#15 08.01.2020 09:59:28

ManfredB
Mitglied

Re: Zeitzeugen der Bürokratie

"Wir fördern die Digitalisierung mit mehreren Milliarden Euro" - so hört oder liest unsereins es in den letzten Jahren immer wieder.

Frage: was haben Bons für Brötchen mit Digitalisierung zu tun?
Etwas, das ich auch schon seit Jahren interessiert verfolge, wie zB bei meinem Einkauf zum Ende keine Warteschlangen mehr an den Kassen stehen,
sondern beim Eintritt ins Geschäft ein Kontakt mit meinem Smartphone entsteht, am Ende verlasse ich mit meinen eingekauften Produkten den Markt ohne Wartezeit - wieder ein Kontakt mit meinem Smartphone: Abrechnung liegt vor, Betrag wird abgebucht.

Papier - ich welcher Aufmachung auch - ist so langsam viel zu viel: jede Woche bekomme ich ein Paket mit Werbe-Prospekten in den Briefkasten geworfen,
die in einer Plastik-Hülle stecken. Plastik-Hülle in den Wertstoff-Müll, Werbe-Prospekte (die mich nicht interessieren) in den Papierabfall-Korb.

Irgendwie ist etwas merkwürdig in dem gesamten System.

Aber ich will niemanden kritisieren, egal ob er/sie Bargeld bevorzugt oder eher mit Karte bezahlt.

Es bleibe jedem/jeder überlassen, was er/sie für gut oder richtig oder besser hält.

Aber die grundsätzliche Frage bleibt: wohin bewegt sich unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren?
Immer mehr Spaltung oder eher immer mehr WIR, sprich: Zusammenhalt, Respekt usw.

Beitrag geändert von ManfredB (08.01.2020 10:00:29)

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#16 08.01.2020 12:11:59

CBK
Mitglied

Re: Zeitzeugen der Bürokratie

JireeN8n schrieb:
niemand schrieb:

Abgesehen davon: ich weiß nicht, was ihr für Bäcker habt. Ich habe in den letzten Jahren nicht ein Brötchen gekauft, das nicht in die Registrierkasse eingegeben worden wäre – nicht mal beim fahrenden Bäcker. Das ging ganz prima auch ohne Bonpflicht. Und wenn man nun hochrechnet: lass es pro Jahr 500.000 Brötchen sein, die schwarz verkauft wurden, pro Brötchen sind’s roundabout 1¢ Steuern. Sind 5k€ für’s gesamte Bundesgebiet.

Leider bewegen sich die Steuerhinterziehungen in ganz anderen Dimensionen; angeblich soll es sich um bis zu 10 Milliarden € handeln. Und das sind dann Größenordnungen, die man auf Dauer nicht mehr ignorieren kann. Und die Steuerbetrügereien wurden auch nicht nur von ein paar "schwarzen Schafen", sondern offensichtlich in der Vergangenheit in großem Stil und branchenübergreifend praktiziert, und nicht nur durch den exemplarisch immer wieder gerne vorgezeigten Bäcker.

Ganz untergegangen ist auch die Tatsache, dass mit selbem Datum die Verwendung von Bisphenol-A im Thermopapier praktisch verboten und durch alternative Stoffe ersetzt wurde, die wieder über das Altpapier recycelt werden dürfen. In sofern kann das ganze Gesabbel selbsternannter Umweltexperten als Argumentationshilfe auch nicht länger herhalten.

Edit: Zahlen angepasst, auf Brötchen sind ja „nur“ 7% Wenigerwertsteuern – man kann sie ja meist essen.

In einem Geschäftsbetrieb fallen neben der Mehrwertsteuer auch noch andere, umsatzabhängige Steuern an, deswegen beschränkt sich der Betrug nicht auf die 7%.


Dann kannst Du uns ja auch sicherlich die Summe nennen, die Politiker(& damit meine ich nicht nur den Bundestag), den Steuerzahler jährlich kosten:)

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